Entschuldigung sagen ist ein Zeichen von Stärke
Eine kleine Geschichte über Schimmelkuchen, Ego und wahre Größe
Ich bin immer wieder überrascht, wie schwer es manchen Menschen fällt, einen Fehler einzugestehen und dieses kleine, große Wort „Entschuldigung“ auszusprechen.
Dabei sind Fehler doch zutiefst menschlich.
Ein ganz normales Missgeschick
Neulich wollte ich mir und einer Freundin etwas Gutes tun und kaufte uns zwei Stück veganen Kuchen – 4,90 Euro das Stück. Wir freuten uns, setzten uns hin, wollten losnaschen … und entdeckten Schimmelfäden auf dem Cheesecake.
Da es schon Abend war, entschied ich mich, den Kuchen am nächsten Tag ins Café zurückzubringen.
Am Morgen zeigte ich dem Besitzer den verschimmelten Kuchen. Was ich erwartet hatte? Ein einfaches: „Oh je, das tut mir leid. Das darf natürlich nicht passieren.“
Was ich bekam, war ein genervtes:
„Sehr komisch, Kuchen zurückzubringen. SO habe ich den Ihnen ja wohl nicht verkauft!“
Ego statt Entschuldigung
Ich erklärte ruhig, dass der Schimmel vielleicht über Nacht sichtbarer geworden sei. Ich versuchte sogar Verständnis aufzubringen: „Bei der Hitze ist das ja auch tricky, wenn der Kuchen auf der Theke steht.“
Seine Antwort: „Der Kuchen darf nicht gekühlt werden.“
Und plötzlich hatte ich das Gefühl, ich sei das Problem. Nicht das Produkt. Nicht der Umstand.
Als ich fragte, weshalb ich denn lügen sollte – immerhin hatte ich mich auf diesen Kuchen gefreut – kam nur noch: „Dieses Gespräch ist beendet.“ Dann knallte er mir wortlos das Geld auf den Tresen.
Und weißt du, was mich am meisten irritiert hat? Nicht der Schimmel. Sondern das fehlende „Es tut mir leid.“
Entschuldigen ist ein Akt der Größe
Für mich hat Entschuldigung sagen etwas mit Stärke zu tun. Mit Rückgrat. Mit Menschlichkeit. Und ja – auch mit Reife.
Im Umkehrschluss empfinde ich es als unreif, es nicht zu können. Besonders im Umgang mit Kund:innen. Und ganz besonders in Berufen, die von zwischenmenschlicher Verbindung leben – Gastronomie, Heilberufe, Service.
Was uns oft daran hindert, Fehler einzugestehen?
Ego. Und ein veralteter Stolz, der nichts mit Würde zu tun hat.
Wahre Größe zeigt sich nicht darin, makellos zu sein. Sondern darin, Verantwortung zu übernehmen.
Wir lernen es eigentlich früh
Entschuldigung sagen gehört für mich zum guten Ton. Und eigentlich lernen wir das schon sehr früh.
Die zweijährige Tochter meiner Freundin kann es jedenfalls. Neulich nahm sie Bodhi ein Spielzeug weg. Er weinte. Sie ging zu ihm, schaute ihn an und sagte klar: „Es tut mir leid.“ Und gab ihm das Spielzeug zurück.
So einfach. So menschlich.
Vielleicht geht es nicht darum, keine Fehler zu machen. Sondern darum, wie wir mit ihnen umgehen.
Mit Klarheit & Herz,
Wanda
